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Fit für die Zukunft: Gesund im Alter

25. Mai 2018

Die weltweit alternde Bevölkerung birgt große Herausforderungen für Gesundheitssysteme. Eine mögliche Lösung bieten neue Technologien samt bewährter Methoden.

Es ist größtenteils dem wissenschaftlichen Fortschritt zu verdanken, dass heute mehr Menschen über 60 Jahre alt sind als je zuvor. Über 900 MillionenMenschen – d.h. etwa 12 % der Erdbevölkerung – befinden sich im fortgeschrittenen Lebensalter. Auf Grund der höheren Lebenserwartung und der zugleich niedrigeren Geburtenraten ist davon auszugehen, dass im Jahr 2050 ganze 2,1 Milliarden Menschen2 bzw. rund 22 % der Bevölkerung der 60+ Generation angehören werden.

Die steigende Lebenserwartung bedeutet auch, dass die 80+ Generation – die so genannten „Ältesten“ – sich bis 2050 mehr als verdreifacht und rund 450 Millionen Menschen umfassen wird3. In einigen asiatischen und lateinamerikanischen Ländern wird sogar erwartet, dass sich die Zahl der Ältesten bis 2050 vervierfacht4.

Neue Herausforderung für das 21. Jahrhundert

Der stark wachsende Anteil der älteren Bevölkerung ist ein Beleg für die erstaunlichen Entwicklungen5 in Wissenschaft und Technik im letzten Jahrhundert. Impfungen, Antibiotika und verbesserte Hygienestandards haben dazu beigetragen, dass viele Infektionskrankheiten in Schach gehalten werden können. Die höhere Lebenserwartung wird auch durch die höhere Sicherheit zu Hause und am Arbeitsplatz begünstigt. Außerdem ist es neuen landwirtschaftlichen Technologien und ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen zu verdanken, dass wir uns heute besser ernähren als unsere Vorfahren.

Ein längeres Leben, das durch diese Fortschritte möglich gemacht wird, bringt jedoch auch neue Herausforderungen für die Wissenschaft mit sich. Die Entwicklungen des 20. Jahrhunderts feierten maßgebliche Erfolge bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten6. Die Wissenschaft des 21. Jahrhunderts ist nun aufgefordert, die Probleme in Zusammenhang mit chronischen Krankheiten zu meistern, welche vermehrt in älteren Generationen vorkommen.

Studien zur US-Bevölkerung zeigen, dass etwa 80 % der Menschen über 65 Jahre an zumindest einer chronischen Erkrankung leiden und 68 % an zwei oder mehreren. Zu den häufigsten Leiden zählen dabei Herz- und Lungenkrankheiten, Schlaganfall, Krebs und Diabetes.7

Insbesondere bei Diabetes und Bluthochdruck zeichnet sich eine zunehmende Krankheitsbelastung ab. Weltweit ist die Zahl der Diabetiker seit 19808 von 108 Millionen auf 425 Millionen angestiegen9. Experten warnen, dass im Jahr 2050 bereits jeder dritte Erwachsene10 an Diabetes leiden könnte. Die Zahl der Patienten mit Bluthochdruck – einem der Hauptrisikofaktoren für Herzkrankheiten und Schlaganfall – hat sich seit 1980 fast verdreifacht und beträgt nun 1 Milliarde Menschen.11 Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Bluthochdruckpatienten in den USA bis 2030 auf 41 %12 ansteigen wird.

Bis 2050 werden fast 450 Millionen Menschen 80 Jahre oder älter sein

Die unsichtbaren Folgen chronischer Erkrankungen

Viele Menschen übersehen, dass immer häufiger werdende chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck nicht nur das Mortalitätsrisiko bei älteren Erwachsenen erhöhen, sondern auch deren Lebensqualität beeinträchtigen. Beispielsweise können sich die beiden genannten Leiden bei älteren Patienten schwerwiegend auf die Sehkraft auswirken.

Die diabetische Retinopathie – bedingt durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel, der die Blutgefäße in der Netzhaut beschädigt – betrifft jeden dritten13 Diabetiker. Bei jedem zehnten Diabetiker14 tritt die Krankheit in einer Form auf, die zur Erblindung führen kann.

Eine ebenfalls häufige Ursache für die Erblindung von älteren Erwachsenen ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Diese Erkrankung zerstört sukzessive die zentrale Sehschärfe, die für Aufgaben wie das Lesen oder Autofahren unerlässlich ist. Die Ursachen der AMD sind komplex; allerdings weiß man, dass AMD mit Diabetes und Bluthochdruck in Verbindung steht.

Gesund und glücklich im Alter

Damit die Lebensqualität der alternden Bevölkerung erhalten werden kann, ist es wichtig, chronischen Erkrankungen vorzubeugen und diese unter Kontrolle zu halten. In Bezug auf Augenkrankheiten schätzt die WHO, dass 80 % aller Sehbeeinträchtigungen15 verhinderbar oder heilbar sind. In der Prävention komme es maßgeblich darauf an, Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck durch eine Kombinationstherapie zu behandeln, die eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung und die Einnahme verfügbarer, rezeptpflichtiger Medikamente umfasst.

Tatsächlich können einige der häufigsten altersbedingten chronischen Erkrankungen durch fortschrittliche und neue Klassen von Arzneimitteln immer effektiver behandelt oder sogar geheilt werden. Darüber hinaus ermöglichen es bahnbrechende Herstellungsverfahren, dass zugelassene Arzneien einer zunehmend breiteren Masse zugängig gemacht werden.

Beispielsweise arbeitet die Forschung bereits an Techniken zur Sequenzierung des genetischen Codes, um Diabetes auf diese Weise zu bekämpfen. Allerdings wird die Gentherapie noch nicht direkt bei Diabetikern angewandt. Sie beschränkt sich zurzeit auf die Anwendung bei Bakterien, die natürlicherweise Acarbose produzieren – eine Substanz, mit der in Arzneien für Diabetiker der Blutzuckerspiegel reguliert wird. Wissenschaftler können das Genom der Bakterien so modifizieren, dass diese zur effizienteren Produktion von Acarbose angeregt werden, und tragen so dazu bei, die steigende Nachfrage an Antidiabetika zu decken.16

Mögliche Therapieformen für ältere Erwachsene gehen weit über Tabletten und Injektionen hinaus. In Japan, wo mehr als 25 %17 der Bevölkerung über 65 Jahre alt sind, kommen zunehmend so genannte „Carebots“ zum Einsatz. Dabei handelt es sich um spezialisierte Roboter, die älteren Menschen im Alltag helfen – etwa, wenn sie das Licht ausschalten oder vom Bett in einen Rollstuhl gesetzt werden möchten. „Carebots“ sind auch für die steigende Zahl an älteren Menschen mit Sehbehinderungen nützlich, indem sie Barcodes auf Arzneimitteletiketten lesen und dafür sorgen, dass die Patienten ihre Medikamente richtig einnehmen, obwohl sie die Beipackzettel nicht mehr lesen können.

80 ist das neue 60

Moderne Roboter und Arzneimittel sind nur zwei der zahlreichen neuen Entwicklungen, die uns bei den herausfordernden Aufgaben unterstützen werden, die eine alternde Bevölkerung mit sich bringt. Wenn gesundheitsfördernde Innovationen einer breiteren Masse von älteren Erwachsenen zugänglich gemacht werden, ist es plausibel, dass sich die Lebenswartung weiter erhöht. Dies wiederum könnte bedeuten, dass man in Zukunft viel älter als 80 Jahre sein muss, um tatsächlich zu den Ältesten zu gehören.

Der US-amerikanische Komiker George Burns formulierte es einst so: „Auch wenn man altert, muss man noch lange nicht alt werden.“

Fußnoten

  1. World Population Prospects The 2015 Revision, United Nations, https://esa.un.org/unpd/wpp/publications/files/key_findings_wpp_2015.pdf
  2. World Population Prospects The 2015 Revision, United Nations, https://esa.un.org/unpd/wpp/publications/files/key_findings_wpp_2015.pdf
  3. He, W. et al. An Aging World: 2015, U.S. Census Bureau, https://www.census.gov/content/dam/Census/library/publications/2016/dem…
  4. He, W. et al. An Aging World: 2015, U.S. Census Bureau, https://www.census.gov/content/dam/Census/library/publications/2016/dem…
  5. Who wants to live forever?, Royal Geographical Society, http://www.rgs.org/OurWork/Schools/Teaching+resources/Key+Stage+3+resou…
  6. De Flora, S. et al. The epidemiological revolution of the 20th century, University of Genoa, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15923399
  7. Chronic Disease Management, National Council on Aging, https://www.ncoa.org/healthy-aging/chronic-disease/
  8. Diabetes Fact Sheet, World Health Organization, http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs312/en/
  9. http://www.diabetesatlas.org/key-messages.html
  10. Number of Americans with Diabetes Projected to Double or Triple by 2050, U.S. Centers for Disease Control and Prevention, https://www.cdc.gov/media/pressrel/2010/r101022.html
  11. Global Health Observatory data – Raised Blood Pressure, World Health Organization, http://www.who.int/gho/ncd/risk_factors/blood_pressure_prevalence_text/…
  12. Heart Disease and Stroke Statistics 2017 At-a-Glance, American Heart Association, https://healthmetrics.heart.org/wp-content/uploads/2017/06/Heart-Diseas…
  13. Lee, R. Et al., Epidemiology of diabetic retinopathy, diabetic macular edema and related vision loss, Singapore Eye Research Institute, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4657234/
  14. Diabetic Retinopathy, The International Agency for the Prevention of Blindness, https://www.iapb.org/knowledge/what-is-avoidable-blindness/diabetic-ret…
  15. Vision impairment and blindness Fact Sheet, World Health Organization, http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs282/en/
  16. https://www.research.bayer.com/en/treating-diabetes-with-acarbose.aspx
  17. World Population Prospects, United Nations, https://esa.un.org/unpd/wpp/DataQuery/
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