Direkt zum Inhalt

Leben retten: Die vierbeinigen Minendetektoren

29. Mai 2018

Mit ihrem überragenden Geruchssinn helfen speziell ausgebildete Hunde beim Aufspüren verheerender Landminen

Mehr als neun Jahre hat Hamilton dabei geholfen, Hunderte von gefährlichen Sprengkörpern auf drei Kontinenten zu entfernen. Der Belgier ist Experte in seinem Bereich, ein speziell ausgebildeter Minensucher und – ein Schäferhund.

Hamilton genießt jetzt in Norwegen seinen wohlverdienten Ruhestand. Er ist nur einer von Hunderten Minensuchhunden weltweit, die entscheidend dazu beitragen, in ehemaligen Krisenzonen explosive Kriegsüberreste zu beseitigen: Waffen, die für die ansässige Bevölkerung schreckliche Folgen haben können, nachdem die Soldaten längst abgezogen sind.

Hunde sind im Auffinden von Waffenüberresten sehr erfolgreich: Ein Minensuchhund kann an einem einzigen Tag 800 m2 absuchen. Das ist zehn Mal so viel, wie ein Mensch mit einem Metalldetektor bewältigen kann.

Außerdem spüren die Hunde Minen und Sprengkörper auf – selbst wenn sie schon seit über 50 Jahren im Boden sind.

Mit ihren 300 Millionen Geruchsrezeptoren in der Nase können Hunde rund 10.000 Mal besser riechen als wir

Übermenschlicher Geruchssinn

Die Nase eines Hundes funktioniert anders als die eines Menschen. Beim Einatmen trennt eine Gewebefältelung in der Hundenase die einströmende von der ausströmenden Luft. Ein Teil wird – wie auch beim Menschen – zur Sauerstoffversorgung verwendet; der andere dient ausschließlich dem Geruchssinn. Hunde können etwa 10.000 Mal besser riechen als wir, da ihre Nase bis zu 300 Mio. Geruchsrezeptoren aufweist (beim Menschen sind es gerade einmal um die sechs Millionen).

Diese außergewöhnliche Fähigkeit macht Hunde zu besonders erfolgreichen Sprengstoffschnüfflern.

Im Rahmen des humanitären Waffenabbaus bildet die Hilfsorganisation Norwegian People’s Aid (NPA) seit mehr als 20 Jahren Hunde wie Hamilton aus. Mit ihrem außerordentlichen Geruchssinn helfen sie dabei, Landminen und andere Explosivstoffe zu erschnüffeln.

Im Jahr 2004 hat die NPA in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina, ein weltweites Ausbildungszentrum für ihre Minensuchhunde eingerichtet. Belgische Schäferhundwelpen müssen dort eine strenge, zweijährige Ausbildung absolvieren, bis sie den speziellen Geruch einer Landmine „erlernt“ haben.

„Es geht nicht nur darum, das RDX oder TNT im Sprengkörper zu erriechen, sondern auch um alles andere, was dazugehört: den Kunststoff, das Metall, das Holz“, so Hans Peter Risser, Einsatzleiter für humanitären Waffenabbau bei der NPA. „In Kolumbien haben wir es beispielsweise nicht mit maschinell gefertigten Landminen zu tun, sondern mit sprengstoffgefüllten Colaflaschen, denen eine Chemikalie zugesetzt wurde. Die Hunde müssen diesen spezifischen Geruch erlernen. Häufig wird der Fehler gemacht, die Hunde nur auf TNT abzurichten.“

Minensuche in Aktion

Nach Abschluss der Ausbildung werden die Hunde in alle Welt ausgesandt. Nach einer kurzen Akklimatisierungsphase beginnen sie mit der Arbeit.

Spürt ein Hund im Feld den Sprengstoff auf, hält er sofort am Fundort an, setzt sich ruhig hin und starrt auf den Boden. Das signalisiert dem Hundeführer, dass er eine Mine gefunden hat. Der Hund wird dann mit seinem Lieblingsbeißspielzeug belohnt, damit er dazu motiviert wird, die Aufgabe zu wiederholen.

Seit 2006 haben die Minensuchhunde der NPA eine Gesamtfläche von rund 113,2 Mio. m2 in 18 Ländern durchsucht und geräumt. Eine Fläche, die größer ist als Paris! Derzeit hat die Hilfsorganisation 54 Minensuchhunde im Einsatz, die rund um die Welt auf sechs Länder verteilt sind. Weitere 65 Hunde werden in Sarajevo und 22 in Kambodscha ausgebildet.

Risser: „Wir wissen, dass diese Hunde noch mehr leisten könnten. Aber wir legen Wert darauf, sie auf produktive und sichere Weise im Minenfeld einzusetzen.“

„Es ist unbedingt notwendig, dafür zu sorgen, dass die Hunde gesund bleiben. Sie müssen die Arbeit gerne verrichten und sie müssen auch in der Lage sein zu arbeiten. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, Gesundheitsrisiken gering zu halten."

– Hans Peter Risser, Einsatzleiter für humanitären Waffenabbau bei der NPA

So bleiben unsere Tierhelden gesund

Bislang wurde noch kein einziger NPA-Minensuchhund von einer Mine oder einem Sprengkörper verletzt oder gar getötet. Doch es lauern noch andere Gefahren. Da die Hunde oftmals in besonders unwirtlichen Klimazonen arbeiten, sind sie harscher Witterung und potenziell tödlichen Parasiten ausgesetzt.

Ektoparasiten wie Flöhe und Zecken befallen das Fell der Hunde und beißen oder stechen sie daraufhin in die Haut, um an ihrem Blut zu saugen. Dabei können die Parasiten gefährliche Krankheiten übertragen.

In Ländern wie Kambodscha, wo es an tierärztlicher Versorgung und entsprechenden Medikamenten mangelt, kann ein einziger Biss das Todesurteil sein.

Risser: „Es ist unbedingt notwendig, dafür zu sorgen, dass die Hunde gesund bleiben. Sie müssen die Arbeit gerne verrichten und sie müssen auch in der Lage sein zu arbeiten. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, Gesundheitsrisiken gering zu halten. Die Unterstützungen und Zuwendungen von Firmen wie Bayer sind von enormer Bedeutung, da wir andernfalls nicht die nötigen Medikamente und Gerätschaften sowie das entsprechende Know-How bereitstellen könnten.“

Das verheerende Erbe der Landminen

Noch immer sind mehr als 110 Mio. Landminen in über 60 Ländern der Welt vergraben. Jede einzelne von ihnen kann seine Opfer töten oder verstümmeln. Weltweit haben im Jahr 2015 jeden Tag durchschnittlich 18 Menschen wegen einer Landmine oder anderen Sprengstoffüberresten aus einem Krieg, das Leben oder Gliedmaßen verloren. 78 % von ihnen waren Zivilisten, 38 % davon Kinder.

Daher ist es unerlässlich, Landminen und andere Sprengkörper zu entfernen. Leider ist dieses Vorhaben mit einer Menge Arbeit, Gefahren und Kosten verbunden. Eine Landmine kann in zehn Sekunden scharf geschaltet und in zwei Minuten in Position gebracht werden. Um sie zu finden und zu räumen, ist manchmal ein zwölf Personen starkes Team einen ganzen Tag im Einsatz.

Ohne Hunde wie Hamilton wäre diese Aufgabe noch viel schwieriger.

Recommended for you

Fit für die Zukunft: Gesund im Alter

 

Lassen Sie uns ins Gespräch kommen! #CanWeLiveBetter
Diskutieren wir über die Herausforderungen von heute und die Lösungen für morgen

 
Zurück zum Seitenanfang