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Gesunde Böden, gesunde Erde: Ein Aufruf zur Nachhaltigkeit

21. Mai 2018

Ackerboden ist unentbehrlich, um die Nahrung anzubauen, die wir verzehren. Er könnte schon in einer Generation verschwunden sein, wenn wir nicht jetzt handeln.

Der Boden unter unseren Füßen wird nur allzu oft ignoriert – obwohl es ohne ihn kein Leben gäbe.

Gesunder Boden ist unentbehrlich für eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln: Der Boden beschert uns 95 % unserer Nahrung. Außerdem ist er der größte Wasserfilter der Erde und trägt somit dazu bei, die Welt mit sauberem Wasser zu versorgen. Der Ackerboden spielt auch eine wichtige Rolle bei der Klimaregulierung, denn er speichert mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Erde zusammen.

Ackerböden zählen zu den aktivsten Ökosystemen der Erde. Ein Handvoll Erde enthält mehr Organismen und Mikroorganismen als es Menschen auf unserem Planeten gibt. Jedes vierte Lebewesen auf dieser Erde lebt im Boden – darunter Milliarden von Mikroben, welche die Grundlage für moderne Antibiotika darstellen.

Kurz gesagt: Ackerboden ist unerlässlich, um die Welt gesund zu erhalten. Doch gesunder Boden geht in besorgniserregender Geschwindigkeit verloren. Die Bodenfruchtbarkeit nimmt stetig ab und Faktoren wie Bodenerosion und Zersiedelung tragen dazu bei, dass wir potenziell ertragreiches Land für immer verlieren.

Das Ausmaß der Lage

Die nackten Zahlen: Durch Erosion werden jedes Jahr rund 24 Milliarden Tonnen Mutterboden abgetragen. Der Verlust für die jährliche Getreideproduktion liegt bei rund 7,6 Millionen Tonnen. Wenn wir nicht handeln, um der Erosion entgegenzuwirken, könnte der Gesamtverlust beim Getreideanbau bis 2050 bei über 253 Millionen Tonnen liegen. Das wäre ungefähr so, als ob man eine Getreideanbaufläche von rund 1,5 Millionen km2 auslöschen würde – oder in etwa den Ertrag einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von der Größe Indiens.

 

 

Die Ursache für den Verlust von fruchtbarem Boden liegt überwiegend im eskalierenden Wettbewerb um Land, und in der Art und Weise, wie wir mit unserem Boden umgehen.

Eine rasch wachsende und zunehmend in Städten lebende Weltbevölkerung benötigt mehr Nahrungsmittel – und damit auch mehr Bauland. Im Laufe der Zeit musste die Landwirtschaft auf immer intensivere Methoden der Bewirtschaftung umsteigen, um die sich stetig vergrößernde Bevölkerung zu ernähren. Der Fokus wurde auf Monokulturen gelegt, wo jeweils nur eine einzelne Pflanze oder Getreidesorte angebaut wurde. Bei dieser spezialisierten Form des Anbaus werden dem Boden auf einseitige Weise wichtige Nährstoffe entzogen, so dass dieser anfälliger für Erosion durch Wind und Regen wird.

Die Welternährungsorganisation (FAO) prognostiziert, dass wir nur noch rund 60 Jahre auf Ernten hoffen dürfen, wenn die Entwicklung sich ungebremst fortsetzt. Wie der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt einst sagte: „Die Nation, die ihren Ackerboden zerstört, zerstört sich selbst.“

Kauft Land, seine Produktion wurde eingestellt“ – Mark Twain

Das Problem ist: Fruchtbares Land ist ein begrenztes Gut. Wir können es nicht einfach nachproduzieren, wenn wir mehr davon brauchen. Ist Land einmal verloren gegangen, ist es für immer weg.

Die Entstehung von Ackerboden ist komplex und basiert darauf, dass Gestein physikalisch und chemisch verwittert, bis es langsam in seine Mineralpartikel Sand, Staubsand und Ton zerfällt. Boden entsteht, wenn zu diesen Partikeln Wasser, Luft und organisches Material hinzukommen. Letzteres wurde über Hunderte von Jahren durch Mikroben und chemische Reaktionen zersetzt.

 

 

Es dauert rund 2.000 Jahre, bis gerade einmal 10 Zentimeter Mutterboden entstanden sind – aber nur einen Augenblick, um ihn zu zerstören. Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, der Bodenerosion vorzubeugen.

„Auf Stein wächst auch mit dem besten Dünger und den aktivsten Mikroben nichts“, so Magalie Guilhabert, Head of Crop Efficiency for Biologics Research bei Bayer.

Ist das Kind also schon in den Brunnen gefallen oder können wir die Lage noch irgendwie retten?

Die Forschung und eine nachhaltige Lösung für den Ackerboden

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis das Problem der Bodenerhaltung öffentlich Gehör gefunden hat, aber immerhin ist es jetzt so, dass gemeinsame Anstrengungen unternommen werden, um das Problem zu lösen. Die UN drängt darauf, dass die nationalen Regierungen Maßnahmen ergreifen, um die Landwirte durch Aufklärung, Regulierung und finanzielle Anreize zu nachhaltigeren Anbaumethoden und zur Vermeidung weiterer Bodenverluste zu animieren.

Wissenschaftliche Fortschritte spielen ebenfalls eine große Rolle, was die Wiederherstellung der Bodengesundheit betrifft.

In den vergangenen zehn Jahren konnten durch Fortschritte in der genetischen Sequenzierung viele weitere Mikroben entschlüsselt werden, durch die Böden wieder fruchtbar gemacht werden. Außerdem helfen die Mikroben den Pflanzen, die Nährstoffe im Boden besser zu nutzen.

„Der wissenschaftliche Ansatz zur Nutzung von Mikroben um Pflanzen zu helfen ist nicht neu“, so Guilhabert. „Neu sind jedoch die Werkzeuge, mit denen wir die Komplexität ihrer Genetik verstehen lernen, damit wir ihren Einsatz besser an das gewünschte Ziel ausrichten und die Bodenproduktivität ohne langfristigen Schaden maximieren können.“

Mittlerweile arbeiten Landwirte mit einer Fülle von Mikroben, um den Düngereinsatz zu optimieren (also die eingesetzte Düngermenge zu senken), um das Wurzelwachstum anzuregen (damit die Pflanzen auch auf Böden gedeihen, die bislang als minderwertig angesehen wurden) und um Schadstoffe aus Böden und Wasser zu filtern. Diese winzigen Organismen tragen immer häufiger dazu bei, Böden wieder gesund zu machen.

Auch die digitale Landwirtschaft spielt ihre Rolle. Sie hilft Landwirten nicht nur, ihre Ernten zu verbessern, um dem wachsenden Nahrungsbedarf gerecht zu werden, sondern sie sorgt auch dafür, dass diese Aufgaben auf nachhaltigere Weise bewerkstelligt werden können. Zum Einsatz kommen hier landwirtschaftliche Präzisionstechniken. Sie überwachen laufend den Zustand der eigenen Anbaukulturen und des Bodens, auf dem sie wachsen. So bleibt das Land gesünder und produktiver.

In Zukunft soll es durch den zunehmenden Einsatz von Sensoren und noch stärker spezialisierten Mikroben gelingen, die Verwendung von Dünger, Bewässerung und Mikroben gezielter anzupassen, um die Wiederbelebung des Bodens zu maximieren. Dies würde wiederum zu besseren Ernten und zur Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung beitragen.

Vorläufig ist es entscheidend, den Landwirten jene Technologien und Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen, um ihr Land so nachhaltig und produktiv wie möglich bewirtschaften zu können. Josse Peeters vom Betrieb Hof ten Bosch in Belgien erklärt dazu: „Jeder Landwirt kämpft in erster Linie gegen die Bodenerosion und für die Fruchtbarkeit seines Bodens. Zwischen Produktivitätssteigerung und Schutz der Artenvielfalt muss sich die Waage halten.“

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