Direkt zum Inhalt

Was ist Biodiversität und warum ist sie wichtig? 5 wissenswerte Punkte

5. September 2019

Biodiversität ist das, was das Leben auf der Erde ausmacht. Wir erörtern anhand von fünf Fragen, was sie ist, was sie für uns leistet und was wir tun müssen, um sie zu erhalten.

Die reiche Biodiversität der Erde ist einzigartig. Unser Planet wird von Leben in allen erdenklichen Größen und Formen bewohnt. Und er erhält dieses Leben auch.

Der amerikanische Biologe und Schriftsteller Edward O. Wilson schrieb in seinem Buch „The Diversity of Life“: „Hier ist eine Fülle von Leben versammelt, die über einen Zeitraum von einer Milliarde Jahren entstanden ist. Diese Vielfalt hat Stürme überdauert – sie in ihre Gene aufgenommen – und die Welt geschaffen, die auch uns geschaffen hat. Sie hält die Welt im Gleichgewicht.“

Aber was genau ist Biodiversität und warum ist sie so wichtig für uns?

1. Was ist Biodiversität?

Die Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen definiert Biodiversität als „die Variabilität zwischen lebenden Organismen jeden Ursprungs“. Wie variabel ist das Leben auf der Welt? Als die Anzahl der Pflanzen- und Tierarten zuletzt hochgerechnet wurde, schätzte man, dass die Erde von ungefähr 8,7 Millionen verschiedenen Arten bewohnt wird – von Bakterien über Quallen bis hin zum Blauwal und dem Riesenmammutbaum. Erstaunlicherweise gehen die Wissenschaftler davon aus, dass etwa 86 % der Landtiere und 91 % der Meerestiere bislang unbekannt sind.

Natürlich gibt es aus evolutionstheoretischer Sicht keine klaren Grenzen zwischen den Arten, und die Biodiversität ist in ständigem Wandel begriffen. Alles Leben verändert sich im Laufe der Zeit. Der Stammbaum jedes Lebewesens – sei es ein Weltraumforscher oder ein Salatblatt, der eines Tages in Ihrem Sandwich landet – kann bis zu einem einzigen Organismus zurückverfolgt werden, der als letzter gemeinsamer Vorfahre (Last Universal Common Ancestor, LUCA) bezeichnet wird und vermutlich vor rund 4,3 Milliarden Jahren gelebt hat. Aus praktischen Gründen klassifizieren wir unterschiedliche Lebewesen mit einem botanischen und zoologischen Taxonomiesystem, das 1735 von dem schwedischen Wissenschaftler Carl von Linné begründet wurde. Er schlug vor, dass jedem Organismus auf der Erde ein zweiteiliger lateinischer Name zugewiesen werden solle – daher der Name binäre Nomenklatur. Beispielsweise nannte er im Jahr 1758 den Hausspatz Fringilla domestica, was auf Lateinisch so viel heißt wie „Fink“ und „häuslich“.

2. Warum ist Biodiversität so wichtig?

Biodiversität ist lebensraumübergreifend vernetzt. Pflanzen- und Tierarten sind aufeinander angewiesen, um überleben zu können. Biodiversität ist für uns Menschen insofern nützlich, als dass diverse Arten viele unterschätzte Ökosysteme schaffen, die für unser Wohl essenziell sind. Regenwürmer beispielsweise regulieren den Gehalt von Wasser und Mineralstoffen im Boden. Damit tragen sie zur Bodenfruchtbarkeit bei und fördern das Pflanzenwachstum.

Biodiversität bringt uns natürlich auch einen direkten Nutzen, wie etwa in Form von Nahrungsmitteln oder Medikamenten. Bei der Entwicklung von Pharmazeutika kommt oft eine breite Palette an Naturprodukten zum Einsatz.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass Millionen von Menschen auf der Welt ihre Arzneimittel vorwiegend in Form von Pflanzen beziehen, die in ihrer Umgebung wachsen.

3. Wo findet man Biodiversität?

Biodiversität ist überall – aber es gibt bestimmte Lebensräume und Ökosysteme rund um den Globus, in denen eine besonders große Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten zu finden ist. Ein Ort, der für seine überaus reiche Biodiversität bekannt ist, ist Madagaskar – ein Inselstaat mit einer überaus hohen Zahl an endemischen Pflanzen- und Tierarten (d. h. Arten, die nur dort vorkommen). Die überwiegende Mehrheit der Arten, die auf dieser Insel leben – einschließlich der berühmten Lemuren und den majestätischen Adansonia grandidieri aus der Gattung der Affenbrotbäume – konnte sich dort losgelöst vom Rest der Welt entwickeln und etablieren.

Andere Lebensräume mit beeindruckender Biodiversität sind die Korallenriffe, die nur 0,1 % der Meeresfläche bedecken und dennoch 25 % der Meereslebewesen beheimaten. Ähnlich verhält es sich mit den Regenwäldern, die rund 80 % aller dokumentierten Pflanzen- und Tierarten ein Zuhause geben, obwohl sie nur 6 % der Landmasse der Erde bedecken.

4. Ist die Biodiversität in Gefahr?

Es kommt immer wieder vor, dass die Biodiversität relativ plötzlich drastisch abnimmt, weil eine hohe Zahl an Pflanzen- und Tierarten gleichzeitig ausstirbt. Diese Ereignisse werden als Massenaussterben bezeichnet. Im Laufe von hunderten Millionen Jahren gab es auf der Erde fünfmal ein solches Massenaussterben. Das jüngste ereignete sich vor etwa 65 Millionen Jahren, als ein Asteroideneinschlag 75 % aller Arten auf der Erde auslöschte, darunter auch alle flugunfähigen Dinosaurier. (Die Vögel, die heute auf der Erde leben, sind taxonomisch gesehen Nachfahren jener Flugsaurier, die überlebt haben!)

Und jetzt die schlechte Nachricht: Viele Wissenschaftler denken, dass wir auf das sechste Massenaussterben in der Erdgeschichte zusteuern, da verzeichnet wurde, dass Arten derzeit etwa 1.000 Mal schneller aussterben als normalerweise. Ein aktueller Bericht der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) deutet darauf hin, dass die Biodiversität weiterhin in jeder Region der Erde abnimmt und appelliert zum dringenden Handeln. Anders als bei den zurückliegenden Massenaussterben wird der markante Rückgang der Artenvielfalt diesmal nicht durch Naturkatastrophen hervorgerufen, sondern durch die Aktivitäten des Menschen. Hauptfaktoren dafür sind u. a. die Zerstörung und Aufsplitterung der Lebensräume durch zunehmende Zersiedelung und Überbewirtschaftung, sowie die invasive Ausbreitung bislang ortsfremder Arten, die durch das rapid angestiegene Reise- und Handelsaufkommen sowie den globalen Wandel ausgelöst wurden. Insgesamt stellen diese Faktoren eine ernstzunehmende Gefahr für die Biodiversität dar.

5. Kann die Biodiversität verbessert werden?

Ausschlaggebend für das Überleben von Pflanzen- und Tierarten ist die Erhaltung ihrer Lebensräume. Wir müssen also geeignete Schritte einleiten, um diese Lebensräume und die darin beheimatete Biodiversität besser zu bewahren. Glücklicherweise gibt es Dinge, die jeder von uns beitragen kann.

Menschen, die in städtischen Gebieten leben, können Nahrung, Behausungen und Nistplätze für Insekten und Vögel bereitstellen, indem sie ihre Gärten, Dachterrassen und Balkone für Tiere attraktiver machen. In vielen städtischen Parks legen lokale Behörden Blumenwiesen an, um die Biodiversität zu fördern.

In ländlichen Gebieten kann beispielsweise eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden eine große Hilfe sein, wenn es um den Erhalt der Biodiversität geht. Das gilt besonders für Gebiete mit intensiver Feldbewirtschaftung, wo Tiere immer weniger Unterschlupf finden. Hier muss darauf geachtet werden, dass ein Gleichgewicht zwischen bewirtschafteten Flächen und natürlichen Lebensräumen erhalten bleibt. Initiativen zur Wiederherstellung und Erhaltung von Lebensräumen können grundlegend dazu beitragen, die Biodiversität zu verbessern, weil sie dafür sorgen, dass innerhalb einer Landschaft ein Netzwerk an Zufluchtsorten erhalten bleibt. In anderen Regionen der Welt, wo die landwirtschaftliche Produktion gering ist, kann mit ertragsfördernden Landwirtschaftsmethoden und Hilfstechnologien erreicht werden, dass nicht noch mehr Land für den Ackerbau aufgegeben werden muss.

Auch Naturparks, in denen wild lebende Tiere geschützt werden, sind ein Segen für die örtliche Biodiversität. Gezielte Initiativen können sogar dazu beitragen, dass schwindende Populationen wieder aufgebaut werden, so wie es mit dem Breitmaulnashorn in Südafrika gelungen ist. Diesbezügliche Initiativen werden heutzutage zunehmend durch digitale Hilfsmittel und Datenbanken unterstützt. Mithilfe dieser Technologien können Naturschützer besser überwachen, welchen Nutzen ihre Maßnahmen bringen und diese gezielter anpassen. Außerdem können digitale Technologien zum Beispiel Landwirten helfen, ihre tägliche Arbeit so nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Ein wesentlicher Faktor für den Erhalt von Biodiversität ist das Vorhandensein von Lebensräumen, die durch Korridore miteinander verbunden sind und sich wie ein Netzwerk über die Landschaft erstrecken. Diese Art von Interkonnektivität kommt letztendlich allen Organismen zugute – ob groß oder klein.

Für Sie empfohlen

Helden der Bestäubung: Warum Bienen so wichtig für Nutzpflanzen sind

 

Lassen Sie uns ins Gespräch kommen! #CanWeLiveBetter
Diskutieren wir über die Herausforderungen von heute und die Lösungen für morgen

 

Zurück zum Seitenanfang